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Die wesentlichen Probleme des Gesundheitswesens in Deutschland

  • Überalterung der Bevölkerung, damit eine Zunahme und Verlängerung von Patientengruppen mit vermehrter Neigung zur Erkrankungen und damit zu einer höheren Kostenbelastung des Systems. Verminderung von Beiträgen der geringer werdenden jungen, potentiell gesünderen Versicherten.
  • Der medizinische Fortschritt, der halt nicht nur über die technischen Innovationen in der Medizin Kosten verursacht. Die sektorale Gliederung des Gesundheitssystems der BRD (ein Topf für die Krankenhäuser, ein anderer Topf für die ambulante Medizin auf GKV-Basis).
  • Der gravierend zu geringe medizinische Nachwuchs, insbesondere in den Arztberufen, der hausgemacht ist und von der Politik bisher totgeschwiegen wird. Welcher zudem noch zu einer schleichenden erheblichen automatischen Absenkung der medizinischen Qualität führt. Interessanterweise boomen zunehmend sogenannte Qualitätssicherungssysteme (z.B. KTQ, ProCumZert, EFQS, DIN ISO 900x, u.a.), die alle einen Fehler haben, sie messen eben was sie messen (meistens Prozesse und Papier über Prozesse), nicht jedoch die medizinische Qualität.
  • Die ungeklärten Fragen, was sich unser Gesundheitswesen leisten kann für die Allgemeinheit und für den einzelnen Versicherten. Politik und Politiker versuchen mit Vehemenz eine Diskussion darüber zu vermeiden.
  • Die Moderierung der Preise von Pharmazeutika auf multinationaler Ebene.
  • Die unsinnige Einführung neuer, teurer und Finanz- und Medizinresourcen verbrauchender Abrechnungssysteme ins Gesundheitswesen (G-DRG), die zu einer Umverteilung von ärztlicher und pflegerischer Kapazität (schlicht ärztlicher und pflegerischer Arbeit, direkt am Patienten) zugunsten von Kunstberufen im Gesundheitswesen – wie Codierassistenten, Controllern, EDV-Industrie, MDK-Ausweitung, Unternehmensberatern – führen. Die Effizienz des G-DRG-Systems im Sinne einer preiswerteren Gestaltung des Gesundheitssystems, bei gleicher medizinischer Leistung, hat bisher schlicht niemand nachweisen können. Im Gegenteil, niemand stellt sich ernsthaft der Überprüfung des zum Selbstläufer gewordenen DRG-Systems, das derzeit auf den psychiatrischen Behandlungsbereich ausgedehnt wird. Niemand hat belegt, dass dadurch Kosten eingespart wurden. Offensichtlich ist, das ärztliche und pflegerische Kapazitäten zum alleinigen Zweck einer sehr teueren Krankenhausrechnungserstellung “verbraten” werden.
  • Die permanent fehlenden ausgearbeiteten Modell-Entwürfe für eine langfristige strukturelle Optimierung des Gesundheitswesens als Basis einer in der Fachöffentlichkeit geführten breiten Diskussion über erforderlichen Änderungen. Und dies unabhängig von wahltaktischen kurzfristigen Erwägungen. Dies auszuarbeiten und die Diskussion in der Fachöffentlichkeit in Gang zu bekommen wäre eine der vornehmsten Aufgaben eines Bundesgesundheitsministers.

von Vincke

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