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Google Street View: Wenn dein Haus nicht gefunden wird existiert es weniger!

Wieder Google! Wieder ein Aufreger! Zum Glück für die Medien. google-street-view Die Politiker sind noch im Urlaub gewesen. Da will Google doch deutsche Straßenzüge und deutsche Häuser ins Netz stellen.

Die Diskussion geht los, was ist öffentlicher Raum? Was darf ins Netz gestellt werden? Die Frage stellt sich natürlich niemand beim anschauen von Google street view Straßen aus New York oder dem geplanten nächsten Urlaubsort, um mal zu gucken ob das vermeintlich günstige und gute Hotel nicht neben einer Müllkippe liegt. Aber eben bei uns – in der Sackgasse – soll und darf nicht fotografiert werden. Basta. Bürgermeister(-innen) überlegen sich eine Maut für Google einzuführen. Sind sich aber nicht sicher ob sich Google für die eigene Stadt überhaupt interessiert oder gar, ob Google-Foto-Autos nicht schon vor 2 Jahren dort waren und die Fotoaktion längst gelaufen ist. Andere wollen die eigenen und vor allem öffentliche Gebäude aus dem Bildmaterial löschen lassen.

Super. Die Befürchtungen: ein Unternehmen, in Californien kartografiert die ganze Welt und verknüpft dies auf seinen Servern mit den anderweitig von Google generierten Daten (aus Gmail, Suchanfragen, Handystandorten, Bewegungsprofilen, gescannten Buchinhalten, Inhalten aus freiwillig in sozialen Netzwerken zur Schau gestellten persönlichen Daten, Gesichtserkennung der (selbst) öffentlich gemachten Fotos, etc.). So ist die Angst vor dem großen Firmenbruder da.

Bei der Volkszählung vor langen Jahren, versuchte man seine Daten gegenüber dem Staat geheim zu halten. Die paar Daten – aus heutiger Sicht. Heute gehen die Banktransaktionsdaten ohnehin via SWIFT-Abkommen der EU mit den USA über den großen Teich. Wer was wohin überweist. An amerikanische Geheimdiens zur  Terrorbekämpfung. Die Aufreger darüber hielten sich in engen Grenzen. Von der Politik insbesondere. Aber auch für den “Bürger” ist das “zu” abstrakt. Anders die Bilder von der Straßenfront des eigenen Hauses und dem Gartenzwerg im Vorgarten (Gibt es sie eigentlich noch, die Gartenzwerge? Die werden aufgrund der demografischen Entwicklung auch älter und weniger).

Gucken wollen (fast) alle. Beguckt werden weniger Menschen.

Nun filmt und fotografiert Google nicht ständig neu, als in Real Time die Welt. Wie sollte sowas auch logistisch zu machen sein. So ist es schon eine historische Leistung ein Abbild der Welt mit den heutigen fotografischen Mitteln zu erstellen. Beispiellos in der Geschichte, bisher. Erstaunlicher Weise hat sich niemand aufgeregt als Google Bildmaterial der Satelliten öffentlich gemacht hat und jeder auf den eigenen Pool (soweit vorhanden) oder in den Garten von oben – in erstaunlich guter Bildqualität schauen konnte. Das hatte man so noch nicht gesehen. Irgendwie “geil”. Das hat auch keine Bürgermeister aufgeregt obwohl man doch viel genauer hinter die Zäune schauen konnte. Aber auch dies war wohl irgendwie abstrakter als der Blick von vorne, von der Straße.

Wie immer, das ganze hat positive und potentiell negative Seiten. Es ist nicht verboten ein Haus von der Straße aus zu fotografieren, im öffentlichen Raum. Wo wären wir, wenn das so wäre. Es gäbe kaum Bildmaterial in Reiseführern. Die Zeitungen wären wieder nahezu Bildmaterial frei. Und unser Wissen von der Welt wäre wesentlich ärmer. “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”. Wenn Google das machen kann, dann entsteht eine moderne anschauliche Kartografie der Welt.

Irgendwie scheint der Zu ja schon abgefahren. Google hat das schon gemacht. Na klar Sie können Ihr Häuschen löschen lassen. Aber es wird dann auch nicht drin sein im “Abbild” der Welt. Für das Privathäuschen mag das zu verschmerzen sein. Für das Colosseum in Rom ist es weniger klasse. Und der Bürgermeister von Rom hat eine “suchbare” Touristenattraktion weniger zu bieten. Nun ist das Colosseum eh in aller Munde und jeder – auch der, der noch nicht in Rom war – hat ein Bild vom Colosseum im Kopf. Die vielen weniger prägnannten und weniger bekannten Bauwerke kommen da schlechter weg. Sie werden ggf. nicht mehr gefunden. Firmen, die vielleicht ansiedeln wollen, bekommen wegen fehlender Findbarkeit keinen oder einen löschrigen Eindruck der Stadt. Potentielle Touristen schauen sich vielleicht lieber eine andere Stadt an,  bei der man die Bauwerke – die öffentlichen – mit ansehen kann und seine Reise schon vorher im Netz planen kann.

Was du nicht findest – im Netz -, also in Google, das existiert weniger!

Es lassen sich noch viele Beispiele geben der (vor allem auch wirtschaftlichen) Nachteile der Unfindbarkeit von Bildmaterial von öffentlichen Ansichten von Gebäuden darstellen. Vermutlich werden sich diejenigen, die ihre Gebäudeansichten in Google löschen lassen wollen, später wundern, dass ihre Gebäude eben weniger “existent” sind und weniger gefunden werden. Aber beschwert euch dann nicht. Vielleicht wollt ihr eure Gebäudeansichten dann ja bei der nächsten Google Street View Fotoaktion dann doch einfügen lassen, damit sie endlich im Netz zu finden und zu sehen sind.

Übrigens, der Bollmann Verlag aus Braunschweig fotografiert Gebäudeansichten schon seit den Fünfzigern, um die Fotos dann als Grundlage seiner 3D-Karten verwenden, wie die Welt kürzlich darstellt. Und er verknüpft die Gebäudeansichten nicht selten mit den Hinweisen auf Geschäfte und Firmen, jedenfalls bei den Firmen, die dafür bezahlen.  Das ist die offline Variante der Google-Werbung.  Kl.

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