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Gesellschaft

Studiengebühren oder Studium nur für Wohlhabende? Nein, Studium für Deutschlands Zukunft!

München, 26. Dezember 2009

Nun wird wieder demonstriert und besetzt, in München. Das Audimax der LMU, der Ludwig-Maximilians-Universität. Ja sowas! In der Stadt der Bürgerlichkeit. Das Gehört sich nicht. Was erlauben sich diese Studenten da, diese Nichtsnutze. Die wollen doch einfach bessere Studienbedingungen, keine Verschulung des Studiums, ohne Blick nach rechts und links, keine knappen Regelstudienzeiten, die ein Nebenbei- Jobben und Studium selbst finanzieren garnicht möglich machen und eben keine Studiengebühren. Aber jetzt geben wir’s ihnen. Jetzt werden sie ausgehungert. Koiner derf mer rei. Alle raus aus unserem Audimax!
Keine Studiengebühren, wo kommen wir denn da hin? Da könnten ja auch die Studieren, die nix oder wenig haben. Kommt nicht infrage. Der Pöbel an die Uni und “unsere” Kinder später dann richtiges “Deutsch lernen” wollen in der Schul als Lehrer, oder den Ärzte- und Ingenieursmangel vermindern.

Ne, so nicht. Wer später unsere Alten – ja unsere Generation, meine Damen und Herren, die momentan am Drücker ist – medizinisch, finanziell und sonst versorgen soll, wer später die genialen deutschen Produkte, die die Weltmarktkonkurrenz nur so hinweg fegen, entwickeln und herstellen soll, der soll jetzt wenigstens für seine Ausbildung und sein Studium blechen. Sonst könnt ja jeder Studieren.

Hallooooooooo, merkt ihr was?

In der Stadt der Bayern LB. Wo die Bürgerlichkeit Milliarden in den Sand gesetzt hat … und keiner war’s. Da wird demonstriert und das Audimax besetzt. Für die Milliarden-Pleite ist keiner eigentlich verantwortlich. Keiner im Aufsichtsrat hat was damit zu tun. Wer war eigentlich im Aufsichtsrat? Ist nicht mehr zu ermitteln. Keiner ist verantwortlich!

In München, der Stadt der Hypo Real Estate. Ja, die Hypo Real Estate, die mit über 100 Milliarden vom deutschen Steuerzahler (also von uns, meine Damen und Herren, von denen die real Steuern zahlen und nicht hier ihr Geld verdienen und in Österreich die niedrigeren Steuersätze genießen, oder gar hier gefeiert werden als große deutsche Sportler und kaum Steuern zahlen, dafür aber in der Schweiz) am Leben gehalten wurde. In dieser Stadt erdreisten sich Studenten ein Audimax zu besetzen, für bessere Studienbedingungen und Abschaffung der Studiengebühren, der jungen Generation, die den Karren der fehlenden Kinder in unserer kinderfeindlichen und nahezu KITA-freien gravierend überalternden Gesellschaft in Zukunft ziehen sollen. Die erdreisten sich ein Audimax zu besetzen.

Meine Damen und Herren, wenn wir nicht bald gehörig aufwachen, ich meine meine Generation, die derzeit am Drücker ist, dann können wir alle zusammen oder besser die die in Zukunft noch von uns übrig sind den deutschen Karren mit unserem Rollator aus dem Dreck ziehen. Aber nur, wenn wir unseren Rollator noch ziehen können.

Wir, meine Generation ist zu beschäftigt mit ihrem persönlichen Fortkommen. Mit dem Geld verdienen, mit dem Kaufen des neuen flotten Audi, BMW, Mercedes oder Ferrari. Leute, nicht nur die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Die Jungen sind zu wenig um uns in 20-30 Jahren Alten versorgen zu können. Wenn wir dann nicht mal gut ausgebildete – ich meine g e b i l d e t e – Akademiker haben. Wie stellt ihr euch denn vor, dass das zukünftige Deutschland es schafft. Ohne Bodenschätze, nur mit geistigem Know how gegen die intelligenten und Weltkonzerne steuernden Inder oder Chinesen, oder, oder andere Bürger der Welt zu bestehen, damit auch hier, wir, die zukünftigen Renter noch versorgt werden können und die blühenden Landschaften nicht verwelken.
Irgendwie hat noch keiner gemerkt, dass sich das Land, unser Land, Deutschland es sich absolut nicht leisten kann, dass die breite Masse der Bevölkerung keinen, ich meine wirklich keinen nennenswerten Zugang zu höherer Bildung und Ausbildung hat. Die von unten in der Gesellschaft sind nicht alle blöd. Aber mit denen haben wir nicht gespielt als Kind. Und solche sollen später als ausgebildete Ingenieure nicht unserer – ja sowieso entstehenden genialen Weltmarktprodukte entwickeln, oder gar uns als kranke Rentner ärztlich behandeln, oder als Lehrer unserer Enkel unterrichten. Ne, dann lieber kein Unterricht, keine Krankenversorgung, keine Weltmarktprodukte.

Ob die 100 Milliarden Euro des deutschen Steuerzahlers, die für die Hypo Real Estate ausgegeben wurden, nicht bei den aktuellen und künftigen Studentengenerationen, die um freien Zugang zur Deutschland erhaltenden Bildung kämpfen, besser angelegt wären? Aber das lohnt ja nicht mal eine öffentliche Diskussion oder eine Stellungnahme der Bundesregierung.

Gesundheit ohne Personal

Den Weihnachtsbaum haben wir schon gekauft. Die Glocken sind noch vom Vorjahr im Keller. Die Geschenke, bei dem großen amerikanischen Onlinekaufhaus mit dem brasilianischen Namen bestellt. Alles prima.

Hoffentlich wird keiner krank über die Feiertage. Wie läuft’s eigentlich in unserem Gesundheitssystem. Viele arbeiten an unseren Feiertagen. Damit es für uns rund läuft. Das ganze Gesundheitssystem, nein nicht das ganze Gesundheitssystem, nur kleine und große widerstandsfähige Dörfer, besser bekannt als Krankenhäuser. Sie tun dienst, auch über die Feiertage. Und einige niedergelassene Einzelkämpfer im Notdienst. Auch sie tun dienst. Danke dafür!

Wie funktioniert das eigentlich, dass bei dem seit nun 2-3 Jahre schon andauernden Arztmangel das System noch läuft?

Offiziell, laut Gesundheitsministerium und Politik, gibt es gar kein Problem. Es gibt ja keinen Arztmangel, beteuert man.

Nun, das Deutsche Ärzteblatt, das Zentralorgan der deutschen Ärzteschaft und die zentrale Arztvermittlungsmaschinerie, hat jede Woche zwischen 100 und 150 Seiten freie Stellen im Angebot. Und das in ganz Deutschland, jede Woche. Jede Anzeige kostet bis 5000 Euro, jede Woche. Inserenten sind die Krankenhäuser, auch private Klinikketten, die händeringend ärztliches Personal suchen. 5000 Euro für eine Anzeige und keiner geht hin und keiner meldet sich, in (fast) ganz Deutschland.

Alte und neue Zeiten

In den alten Zeiten, wo das wünschen noch geholfen hat, war es wohl auch nicht besser.

Was tut meine Generation heute eigentlich? Was tun wir eigentlich? Wir, die 40-60-jährigen.

Wir sind mit unserem Alltagsgeschäft beschäftigt. Wie jede Generation. Das allein wäre in Ordnung. Wie soll’s auch sonst gehen.

Das mit dem Klima klappt nicht. Kaum einer von uns, jedenfalls von denen, die in entscheidende politische Positionen gelangt sind, kann sich nachhaltig zur Durchsetzung global sinnvoller – einschneidender – Maßnahmen zum Erhalt der Lebensbedingungen unserer Kinder durchringen. Der kleinste gemeinsame Nenner, den Frau Merkel, Herr Obama, Herr Jiabao, Herr Singh und die anderen für akzeptabel erachten, ist, dass man was tun müsste. Toll, meine Damen und Herren! Das wussten wir aber schon.

Nun sind alle so mit Ihrem Tagesgeschäft beschäftigt – und einige mit Plätzchen-Backen am Wochenende, dass sie gar nicht in die Verlegenheit kommen über langfristige und nachhaltige Strategien zur Verbesserung der Dinge nachzudenken. Geschweige denn, Ideen und Konzepte zu entwickeln.

Es gab mal Cohiba-Zigarre rauchende und Brioni tragende Herren, die versucht haben „think-tanks“ zu nutzen und deren Ideen über den Tag hinaus als Basis für Konzepte ihres Handeln zu gewinnen. Ein Ansatz. An den Schaltstellen der Macht, besser als Plätzchen backen. Wohl gemerkt unabhängige „think-tanks“. Keine, die bezahlt werden von Instituten und Stiftungen, um deren Industrie- und Klientelstrategie in unauffällige politikbeeinflussende Vorlagen zu gießen.

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