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Schlaganfall

Schlaganfall: Gerinnselauflösen bis zu 4,5 Stunden nach Beginn effektiv und sicher!

Die Leser des “Lancet”, einer der weltweit führenden medizinischen Fachzeischriften, wählten 2009 die in der Konkurrenzzeitschrift “New England Journal of Medicine” im September 2008 erschienene Arbeit des Direktors der Neurologischen Universtätsklinik Heidelberg, W. Hacke und Kollegen “Thombolysis with Alteplase 3 to 4.5 hours after acute ischemic stroke” zur weltweit wichtigsten medizinischen Studie des Jahres.

Die Arbeit stellt die Ergebnisse einer sogenannten multizentrischen, plazebokontrollierten, doppelblinden Studie an 821 Patienten vor, von denen 418 in die Gruppe der Patienten, die Alteplase erhielten und 403 Patienten in die Gruppe randomisiert wurden, die Placebo, also ein Scheinmedikament erhielten.

Alteplase wird seit Jahren u.a. zum Auflösen von Blutgerinnseln in den Gehirngefäßen, der häufigsten Ursache eines Schlaganfalles, allerdings innerhalb der ersten 3 Stunden nach Eintritt eines Schlaganfalles – in geeigneten Fällen(!) – verwendet. Ebenfalls gehen wesentliche Daten, die dann zur Zulassung von Alteplase beim Schlaganfall geführt hatten, auf bisherige Arbeiten von Werner Hacke und Kollegen zurück (ECASS, ECASSII).

Gleichwohl waren Auflösungen eines zum Schlaganfall führenden Blutgerinnsels außerhalb des sogenannten Dreistundenfensters, da experimentell, die Ausnahmen.

Die aktuelle Studie von Hacke und Kollegen belegt eindrucksvoll die Wirkung und relative Sicherheit der Methode bis zu 4,5 Stunden nach einsetzen eines geeigneten Schlaganfalles. Signifikant mehr Patienten hatten nach Alteplasegabe ein gutes Ergebnis als nach der Gabe des Scheinmedikamentes (52,4% vs. 45,2%,p=0,04). Allerdings traten nach Alteplase häufiger Hirnblutungen auf als nach Placebo (27% vs. 17.6%, p=0,001). Die Sterblichkeitsrate unterschied sich nicht in den beiden Gruppen (7,7% vs. 8,4%,p=0,68). Es gab allerdings keinen signifikannten Unterschied in der Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen in den beiden Vergleichgruppen.

Unter dem Strich wurde damit die Überlegenheit und auch die relative Sicherheit der Alteplasebehandlung bei geeigneten Fällen eines Schlaganfalles auch noch innerhalb von 3 bis 4,5 Stunden belegt. Damit ist den klinisch tätigen Neurologen  auf den Stroke Units ein effektives Mittel an die Hand gegeben. Durch die Zeitfensterverlängerung auf 4,5 Stunden kommen wesentlich mehr Patienten als früher infrage. Leider erreichen immer noch viele Patienten erst mehrere Stunden, oder gar Tage, nach einsetzen ihres Schlaganfalles eine zur Behandlung geeignete Stroke Unit. Denn auch weiterhin gilt: die Chancen auf ein gutes Ergebniss einer Schlagafallbehandlung erhöhen sich wesentlich mit dem frühestmöglichen Beginn der adäquaten Behandlung.

T.K.

W. Hacke et al.: Thrombolysis with Alteplase 3 to 4,5 Hours after Acute Ischemic Stroke. N Engl J Med 359;13:1317-29

Gesunder Lebensstil verringert Schlaganfallrisiko um mehr als das 2,3-fache!

Phyo K. Myint und Kollegen veröffentlichten im BMJ (BMJ 2009;338:b349) kürzlich eine äußerst interessante Studie zum Thema Lebensstil, Verhalten, Essen und dem Risiko einen ersten Schlaganfall zu erleiden.
20040 Männer und Frauen zwischen 40-79 Jahren aus der Grafschaft Norfolk (England), ohne bisherigen Schlaganfall oder Herzinfarkt, wurden über einen Zeitraum von 11 Jahren prospektiv untersucht.

Die Untersuchten wurden gescored mit jeweils einem Punkt für die folgenden Verhaltensstile:

  • Nichtrauchen,
  • Keine Körperliche Inaktivität,
  • moderater Alkololgenuss
  • und eine Blutplasmakonzentration für Vitamin C >49umol/l (was für einen Obst und Gemüsekonsum von mindestens fünf mal pro Tag spricht).

In der durchschnittlichen Beobachtungszeit von 11,5 Jahren ereigneten sich insgesamt 599 erstmalige Schlaganfälle. Nach statistischer Korrektur von verschiedenen Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, Body Mass Index, systolischem Blutdruck, Cholesterin Konzentration im Blut, Zuckerkrankheit, Aspirin-Einnahme und sozialem Status) zeigte sich folgendes interessantes Ergebnis:

Lebensstile und Schlaganfallrisiko

Bei beachten von nur dreien der vier gesunden Verhaltensweisen erhöhte sich das relavtive Risiko einen Schlaganfall zu erleiden von 1.0 auf 1,15. Bei beachten von zwei der vier gesunden Verhaltensweisen erhöhte sich das relative Risiko einen Schlaganfall zu erleiden auf 1,58 und bei nur einer der vier gesunden Verhaltensweisen auf 2,18. Wenn keiner der genannten vier gesunden Verhaltensweisen beachtet und durchgeführt wurde erlangten die Untersuchten Männer und Frauen ein relatives Risiko von 2,31 im Vergleich zu 1,0 bei Beachtung von allen 4 gesunden Verhaltensweisen.

Wenn keine der vier gesunden Verhaltensweisen beachtet wurde, erhöhte sich das Risiko einen ersten Schlaganfall zu bekommen also um deutlich mehr als das Doppelte im Vergleich zu einem gesunden Lebensstil!

Entscheidend ist, dass hier der Nachweis gebracht wurde, dass persönliches gesundes Verhalten einen entscheidenden Einfluss auf das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden hat, im Sinne einer wesentlichen Risikoreduktion. Zudem zeigte sich, dass ein oder mehr ungesunde Verhaltensweisen eine gewisse Kompensation durch andere gesunde Verhaltensweisen erfahren.

Das bedeutet, wir können selbst was tun unser Risiko zu senken.

T. K.

(Körperliche Aktivität: bei sitzender beruflicher Tätigkeit, mindestens eine halbe Stunde pro Tag körperliche Bewegung wie Schwimmen oder Rad fahren oder eine nicht sitzende Tätigkeit.
Alkoholgenuss: weniger als 14 Einheiten a 8gr. Alkohol/ Woche (8gr. Alkohol entsprechen z.B. einem Glas Wein)

Phyo K. Myint et al. BMJ 2009;338:b349

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